Die Wanderung 2010
Da der Kurier mit den Gemälden von der Wanderung noch nicht hier angekommen ist (Wegelagerern in die Hände gefallen? Pferd verletzt? ...), seht Ihr einstweilen nur den Reisebericht (auf die Brieftauben ist ja doch verlaß). Die Bilder kommen, sobald wir sie haben ;-)
Proömium
Höre, oh launische Muse, was wir um dir zu gefallen uns selber antun und andern.
Durch Bäche und Täler, von Monstern besiedelte Wälder und von Mensch verlassene Höhen erkämpften sich unsere Helden durch Blasen, Wiesen und Felder nach Rechber, wo schließlich das Lager verfrüht aber doch wurd errichtet.
Wieso das denn wird sich da der geschätzte Leser fragen, was tun die denn in Rechberg? Da sollten die doch erst am letzten Tag ankommen!
Ja, wir bieten euch alles, liebe Leser, nicht nur Abenteuer sondern auch geheimnisvoll Rätsel und, wie ihr gleich sehen werdet, Fortbildung auf höchstem Niveau.
Zum Beispiel haben wir gelernt, dass es Bären-Paviane gibt. Aber vielleicht sollte der Autor dort anfangen wo die Geschichte angefangen hat, nämlich im Jänner, wo die Frage, was wir denn dieses Jahr in Sachen Zeitreise unternehmen könnten, zwischen Raban der Pfeyffe, Tobias Hundertpfund und dem Autor, erstmals ernsthaft aufgeworfen wurde.
Die Grundidee der Wanderung
Ideen wurden gesponnen. Diskutiert. Verworfen. Neue Ideen geboren. Gleich verworfen (keiner hat sich getraut Finja von Ungnad die Sache mit der Kutsche nochmal vorzuschlagen). Dann hat sich aber doch ein Plan herauskristallisiert, dessen Rahmenbedingungen waren, dass es keine Abenteuer mit umgefallenen Bäumen gäbe, das Ganze in vernünftiger Reichweite der Rhiannonschen Heimatbasis und – da war sie vehement – nicht mehr als 20km am Tag bedeuten würde.
Erwähnt werden muss hier, daß ja klein Oskar mit seinen 6 Monaten den Zug anführen sollte, das also durchaus sinnvoll erschien. Sprach Raban: in Ottensheim (oder da irgendwo) gibt’s einen Wirt, der Fahrten mit einem Wikingerschiff anbietet. Es wäre doch nett, diesmal von der anderen Richtung nach Rechberg zu kommen, nämlich von Grein. Also mit dem Schiffernackel nach Grein fahren, und davor von – zum Beispiel – Altenfelden nach St.Martin zu gehen, von dort nach Ottensheim.
Und dazwischen zu lagern und das eine oder andere isotonische Getränk zu geniessen, schließlich muss man sich ja irgendwie am Leben erhalten.
Guter Plan, machen wir, haben wir gesagt, nur noch rausfinden wo der Wikingerwirt ist und ob das Boot auch einigermaßen (A) wäre, schließlich sollte das Ganze ja was gleichschauen.
Mit Wickie auf die Donau?
An dieser Stelle kommt jetzt das, was der Autor als Fortbildung oben angekündigt hat: Das Wikingerschiff ist nämlich, haben unsere Forschungen ergeben, ein altes Donaumotorschiff, das mit Sperrholzschildern ...hm... verbessert wurde. Als Zuckerl wird jedoch die Ausstattung gestellt, nämlich Jutesacktuniken und mit Holzhörnern authentisierte Plastikbaustellenhelme. Dazu „Wickie“ und Apreski „Hüttengaudi“.
Eine gute Sache haben wir uns dann gedacht, gut für wen andern.
Also, Ersatzplan.
Und nur wo. Und wohin.
Immerhin, Grein als vorletzte Station war ja eine gute Wahl, nur wie dahin kommen?
Auch dafür war schnell eine Lösung gefunden, nämlich Wallsee, über Ardagger.
Und von Stadt Haag über Strengberg nach Wallsee. Guter Plan, nette Gegend.
Hohe erwartete Mostschankdichte. SEHR guter Plan.
Also:
Startpunkt Stadt Haag
Sehr nette Stadt, alte Häuser, tolle Kirche. Die Wehrkirche hat tatsächlich einen mit Schießscharten und Pechnase verteidigbaren Seiteneingang. Beeindruckend.
Genauso wie die Bühne, die davor aufgebaut wurde (der Autor hofft an dieser Stelle, dass die Photos ihren Weg von der Kamera doch auf einen Computer finden – wir haben das richtige Kabel vergessen).
Nach der Kirchenbesichtigung also losmarschiert und prompt an einem Schild des Wildparks Haag vorbei, auf dem Bären-Paviane angekündigt werden. Was man nicht alles lernt auf einer solchen Reise.
Der Weg nach Strengberg war nett, nicht allzu heiß, von den üblichen markigen Sprüchen begleitet, nur nicht von den Rhiannons: Raban war nach Rechberg zu einem ORF Filmtermin abkommandiert, Finja hat die eigentlich vorausgesagten 30 Grad als Oskar-ungeeignet identifiziert und uns mit einem gutgelaunten „ach, geht’s nur“ alleine auf den Weg geschickt.
In Strengberg – ebenfalls optisch sehr nett aber fast ausgestorben – hat sich dann bei einer kurzen Rast der erste Blasensegen eingestellt: Tina hat sich an jeder Ferse 2€ Münzen große, knallrote Blasen gelaufen. Mittelalterschuhe sind doch was anderes als modernes Büroschuhwerk.
So weit so gut. Es folgten ausgiebige Gespräche über die nagelneue Mostviertelwanderkarte, ein hübsche Wanderweg gefunden und losgetrabt das Ganze.
Auch da haben wir was gelernt, nämlich dass sich die amerikanischen und russischen Truppen im zweiten Weltkrieg dort getroffen haben, die Amerikaner wieder abgezogen sind, die Russen aber für zehn Jahre geblieben.
Nett, wenn man Gäste hat.
Wanderweg verschwunden, Donau von Monstern bevölkert
Also weiter Richtung Donau, haben wir uns gedacht. Brav den Wanderweg entlang, durch bäuerliche Mostviertelidylle... und plötzlich war er aus.
Der Wanderweg war futsch, zwischen zwei Feldern (Gerste und Weizen für alle die’s genau wissen wollen) einfach verschwunden. Ein Moment der ungläubigen Ratlosigkeit folgte.
Oh ja, im Mostviertel verschwinden ausgewiesene Wanderwege einfach, sie verlaufen sozusagen im Sand. Unerfreulich. Aber als gewiefte mit Karte und Himmelsrichtung ausgestattete Reisende haben wir die Herausforderung angenommen und uns durchs Gebüsch gekämpft (was uns eine extra Stunde gekostet hat) nur um, endlich an der Donau angekommen, festzustellen, dass die Geschichte über ausverkauftes Autan, die wir in Strengberg gehört hatten, einen realen, erschreckenden und monströsen Hintergrund hat: Gelsen.
Tausende, in riesigen, blutrünstigen Schwärmen. Und richtig große noch dazu. Wir sind nur mehr gerannt, soweit man unser unerwartet erschöpftes Stolpern als Rennen bezeichnen kann. Wandern mit Mittelalterschuhen ist um einiges anstrengender als mit modernen Schuhen.
Plan B
Unter dem Eindruck der fliegenden Monster waren wir uns einig, dass wir keine Nacht im Zelt überleben würden und gleich alle Zelte in Rechberg aufzustellen und den Rest der Wanderung von dort aus abzuwickeln.
So weit so gut.
Anstatt des morgigen Gelsenmarathons werden wir die Sehenswürdigkeiten etwas abseits der Donau erwandern. Der Autor hofft, dass es auch da die eine oder andere Geschichte zu erzählen geben wird.
Gute Nacht und schönen Gruß,
Eure Wanderer
Mittelalterliches
Hexentreyben
Rechberg
Freilichtmuseum Großdöllnerhof
3./4. Juli 2010